Tomsk, das Kyoto Sibiriens am Tom

Transsib-Tomsk 4. März 2020

5 Uhr aufstehen zum Zug nach Tomsk, der Bahnhof ist ja gerade gegenüber, aber wir müssen die Sicherheitskontrollen über uns ergehen lassen, die an jene der Flughäfen herankommen. Unser zu­gewiesenes Abteil in einem sauberen, aber wesentlich älteren Zug als der erste, be­haust schon einen jungen Rekruten und eine junge Frau, die wir in ihrem Schlaf stören.Sie ist sehr selbstbewusst, ein stolzer Charakterzug der Sibiriaken, und hat offensichtlich keine Probleme, mit drei Männern auf engem Raum sich zu entspannen.

Dark HorizonEs fällt leicht von Novosibirsk Abschied zu nehmen

WagonDurch die schmutzigen Fenster lassen sich kruselige Bilder machen

NicoWappenWahrzeichen von Tomsk

Trotz des Tagesanbruchs und der kurzen Reise (5h) gibt und die freundliche Provodnitsa Schlafwäsche. Die Wälder und die Taiga nehmen eine kältere Formation an, der Schneebelag steigt, wir fahren nach Norden. Wie wir später lernen, ist Tomsk eine zentrale Kreuzung auf den Handelswegen in Sibirien, wurde am Zusammenfluss von Tom und Ushaika strategisch gegründet im Jahre 1604, um die Kara­wanen gegen Überfälle der autochthonen Stämme zu schützen. Und Tomsk wurd zur Hauptstadt Sibiriens, bis die Transsibirischen Eidenbahn an ihr vorbeigebaut wurde, Tomsk fiel in eine Dornröschenschlaf, was für uns ganz gut ist, denn 1500 Holzhäuser sind noch vorhanden. Am Bahnhof erwartet uns Tatiana, unser Guide für zwei Tage.

TatianaNico und Tatiana
Wir besuchen ein lokales, historisches Museum, eine Straße mit Holz­häusern und eine orthodoxe Kirche. Eine katholische Kirche ist leider geschlossen, sie wurde von Deutschen und exilierten Polen gegründet, die sehr angesehen waren in Tomsk, weil sie sehr gebil­det waren. Die orthodoxe Kirche ist sehr beein­druckend, vergoldet, aber die Pietät verbietet und Bilder zu machen.
Kirche

Die wohlhabenden Händler des 18. und 19. Jahrhunderts in Tomsk beschafften sich alle Annehmlichkeiten aus Europa. Ihre Welt sah der unseren sehr ähnlich. Im 20. Jh. änderte sich dann alles, um sich heute mit der Globalisieren wieder anzugleichen. Mein Eindruck war im­mer, dass Sibirien leer ist und war, aber hier lernen wir, dass diese weite Land in historischen Zeit sehr wohl von vielen Stämmen bewohnt war und häufig von Chinesen, Mongolen u.a. überfallen wurde, Tomsk im 17. Jh. muss man sich wie die Last Frontier im Wilden Westen vorstellen mit we­niger Schießereien. Wir beschließen den Abend in einem sehr guten italienischen Restaurant mit Pasta und Montepulc­iano.
Treppe

Tomsk 5. März 2020

Ich wache um 9 Uhr auf und bin nach gutem Schlaf immer noch müde, die Zeitverschiebung macht mir immer noch zu schaffen, aber die Erkältung von gestern ist schon überwunden. Meditation und Frühsport haben ihren Platz heute früh, da wir erst zu Mittag zum Essen verabredet sind mit unserer Guidess.
Wir besuchen das Unterdrückungs Memorial (Gulag-Museum). Für eines der wenigen und das zentrale noch dazu, ist das Museum viel zu klein, zu schlecht gemacht, unsichtbar. Man muss es mit Dachau vergleichen oder ähnlichen Gedenkstätten. Und wie wir hinterher feststellen, sind die Zahlen der Opfer um mehrere Faktoren unterschätzt. Da muss noch nachgearbeitet werden, liebe Russen! Aber auch die Reiseführer von Lonelyplanet bis Tripadvisor erwähnen nichts davon. GulagKarte der Gulags

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Es ist uns unverständlich, warum die Stadt sich nicht um das schöne Holzhauserbe kümmert, schließlich hat GAZPROM hier seinen Hauptsitz, an Steuergeldern sollte es nicht mangeln. Nur ein junger Arzt kümmert sich in seiner Freizeit um das Kulturerbe, dokumentiert den Zerfall.

-> Der Baïkalsee