Irkutsk [schnelles Wasser]

Irkutsk 8. März 2020

Gut geschlafen wache ich um 7:30h auf und meditiere. Alle Geräte sind geladen außer der Drone, die jetzt ans Netz geht, das wir sie in den nächsten Tagen brauchen werden. Am Frühstückstisch der Pianistin Nina (die auf OSM verzeichnet ist, nicht bei Google, und einst Tesson beherbergt hat), treffen wir auf eine Französin, die jeden Winter auf der Insel Olkhone verbringt, ich vermute einen schamanistischen Hintergrund. Zwei weitere Franzosen gesellen sich zu uns, Vater und Sohn aus Rodez mit südlichem Akzent. Irina von BaïkalVoyage ruft uns an, um sich nach uns zu erkundigen. Seit gestern verfrachtet Moskau alle Franzosen (und andere) in eine 14-tägige Quarantäne, zwei weitere Reisegruppen haben deswegen abgesagt. Schlechtes Business für Irina, sie klingt verzweifelt, wir sind vorerst die letzte Exkursionsgruppe.
Kirche Eine kurze Tour in der Stadt macht uns einerseits klar, was -12º bedeutet und andererseits, dass es Sonntag ist und alles geschlossen. Wir haben jegliche zeitliche Orientierung verloren! Der einzige Ausfluss des Baïkals, Angara, ist ein mächtiger Strom nur 200m entfernt von hier. Man hat den Eindruck, nahe am Meer zu sein. Das Wasser ist offen, einzelne Eisschollen treiben vorbei, die Luft schneidet ins Gesicht und in die Hände trotz Überhandschuhen. Das Stadtbild ist ziemlich modern, durchsetzt mit wenigen Holzhäusern, die eher vernachlässigt sind.

Um 13h werden wir abgeholt vom Reiseführer Aldar zum Mittagessen. Es gibt ein reichliches 4-Gänge Menü mit Salat zur Eröffnung, Solyanka-Suppe als Vorspeise, Fisch mit geröstetem Blumenkohl und Apfelstrudel mit Vanilleeis und Kompott als Nachtisch + Espresso.

Danach beginnt eine Tour durch die Stadt. Aldar ist Buriate, das ist ein einheimischer Volksstamm mongolischer Abstammung, und er ist ganz klar und gerne Russe. Erzählt uns die Politik von 1661, als die Kosaken die Stadt gegründet haben bis heute. An drei wunderschönen Kirchen vorbei gehen wir zum 2º kalten Angara und sehen gleich zwei Taucher vorbeitreiben. Der Fluß fließt zu schnell, als dass er zufrieren kann.

Dann geht es weiter zu diversen Holzhäusern, die wir schon gar nicht mehr fotografieren, so viele haben wir schon gesehen. Aber wir verstehen mehr über die hiesige Mentalität, ein relativ neuer Toy RAV4 steht vor der Tür eines der Häuser, wo es weder Toilette, noch Zentralheizung noch fließend Wasser gibt, Erizkomfort sozusagen. Alle 50m ist ein Wasserhahn auf dem Trottoir, dessen Basis so schnell mit Eis zuwächst, dass es alle 14 Tage entfernt werden muss.
Holzfenster Wir besuchen noch ein Denkmal zum Ende des 2. Weltkrieges, was wir zuerst nicht verstehen, hier war ja kein Krieg. Aber Alach erklärte uns dann, dass die Buriaten von der Chinafront abgezogen wurden und die Deutsche Wehrmacht 16km vor Moskau abgefangen haben, dann auch in Stalingrad entscheidend eingriffen und nach dem 9. Mai 1945 ganz China, Thailand und Korea von den Japanern befreiten.

Durch das lange Herumstehen bei Alachs Erklärungen testen wir ungewollt unsere Ausrüstung: Schlussendlich haben wir doch nicht zuviel mitgebracht, doppelte dicke Socken in Karibou Schneeschuhen, lange Unterwäsche, Skihosen, arktischer Parka und Chapka lassen uns nach 4 Std doch langsam frieren, trotz strahlender Sonne.

Irkutsk 9. März 2020

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