Mein Traum vom Baïkalsee

Irgendwann Anfang Winter 2018/19 hörte ich von Sylvain Tesson und seinem Buch über seinen sechs-monatigen Aufenthalt in einer Hütte am winterlichen, zugefrorenen Baïkalsee. Ich hatte schon vorher hie und da Bilder vom See in Dokus gesehen, war angezogen davon, aber das Unterfangen, dorthin zu gelangen, schien mir unerreichbar. Dann hörte ich von Tessons1 Buch Dans les forêts de Sibérie und las es. Der Funke sprang über und ich begann vom Baïkal zu träumen.
Mein Freund Nico Navazo, der von seinem russischen Großvater größtenteils aufgezogen wurde, hatte die Absicht, nach Russland zu reisen auf den Spuren seines Großvaters, der durch alle Kriege der ersten Hälfte des 20. Jhd musste und als Immigrant in Paris landete. So taten wir uns zusammen und planten die Reise zum Baïkal. Nico lernte dazu noch eifrig Russisch, was sich als sehr hilfreich herausstellte.
Ural
Unser Plan war es über Moskau mit der Transsibirischen Eisenbahn nach Irkutsk zu fahren, in Novosibirsk und Tomsk Halt zu machen. Von Irkutsk aus buchten wir eine 8-tägige Exkursion auf den gefrorenen See, und wie es der Zufall so wollte, fanden wir eine Ein-Frau Agentur (Irina von BaikalVoyage), die sich auf Liebhaber Tessons spezialisierte und einen Besuch der Hütte Tessons als Kulminationspunkt der Reise anbot. In Irkutsk übernachteten wir sogar im gleichen Guesthouse Nina wir Tesson! BaikalUnser Treck ist in rot eingezeichnet
Der Baïkalsee liegt im Süden Sibiriens im Norden der Mongolei etwa auf mitteleuropäischem Breitengrad. Es wird dort trotzdem sehr kalt im Winter (-35ºC), sodass sich eine Eisdecke bildet von 1-1,5 m Stärke. Man kann den See dann mit allen Fahrzeugen befahren. In den Reise-Tipps gebe ich viele Hinweise für eventuell Russland-Interessierte. Wenn man direkt nach Irkutsk fliegt, braucht man noch nicht einmal viel Zeit für diese Abenteuer (ich empfehle allerdings dringend die Transsibirische zu benutzen), auch finanziell hält sich alles in Grenzen, Russland hat ein Preisniveau auf 1/3 Deutschlands. TessonSylvain Tesson 2011 vor seinem Unfall

Von La Rochelle nach Moskau

Natürlicherweise fährt der Franzose mit dem Zug zum Flughafen und schwingt sich von dort in die Ferne. Zur Zeit unserer Planung zum Jahresende 2019 gab es aber unabsehbare Streiks in Frankreich wegen der Rentenreform, und wir wollten auf keinen Fall, dass unsere Reise einem Streik zum Opfer fällt. Auch die aufwendige Visaprozedur erlaubte uns keinen Spielraum für den Start. Also buchten wir mit Ryanair eine Flug nach London von unserer Haustür aus. Leider flog Ryanair nur jeden 2. Tag, und so besuchten wir unsere Freunde im Norden Londons für eine Nacht.

England

21. Februar 2020

Well, so...

Aufwachen um 7:30h, letzter Luggage-Check and off we go zum Flugplatz in La Rochelle, wo ich Nicolas treffe, der von seiner Schwester Sophie gebracht wurde.

9:55h Ankunft in Stansted, mit drei verschiedenen Zügen und 45£ später kommen wir um 12:30h in Hemel Hemstead an, wo uns Paul abholt. Das Jenkins Haus ist überraschend ländlich im Stil, weiß-übertünchter Backsteinbau mit vielen Gauben und Seitengebäuden, ein großes Haus von innen mit riesigem Rasen hinterm Haus und freier Sicht ins Nirgendwo. Die Hunde begrüßen uns übermütig, Caleb, Del und Joe lassen nicht lange auf sich warten. Wir verbringen einen schönen Abend mit Pa­kistanischem Food und Diskussionen über Ernährung zusammen. Del, als Personal Trainer, ist na­türlich genauso interessiert am Thema wie der Rest der Familie.

JenkinsDogsBuddy und Marley waren in uns vernarrt und wollten uns nicht ziehen lassen

 England 22. Februar 2020

Nach einem guten Englischen Frühstückskaffee fährt uns Paul zu Mittag nach Heathrow. Die M25 gibt wie immer Anlass zur Sorge mit einem Stau, der sich aber beizeiten auflöst. Die Security in Heathrow ist über-gründlich, es ist schon unerträglich, welche Schikanen Millionen von Menschen jeden Tag über sich ergehen lassen müssen wegen unserer versch.. Politik. Nach einer Pizza fliegen wir pünktlich ab über Amsterdam nach Moskau, wo wir am Morgen gegen 2h ankommen.


  1. Auszeichnungen
    2009: Prix Goncourt de la nouvelle für Une vie à coucher dehors
    2011: Prix Médicis essai für Dans les forêts de Sibérie
    2015: Prix littéraire de l’armée de Terre – Erwan Bergot für Berezina
    2019: Prix Renaudot für La Panthère des neiges